FilmUnion

Newsletter 04/2013

ver.di FilmUnion

Newsletter 04/2013

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

auch wenn es fast zu heiß für Tastaturen ist, zwei Dinge brennen uns von der ver.di FilmUnion auf den Nägeln:

  • Die KSK ist mal wieder angegriffen worden, eine Online-Petition, vom Deutschen Tonkünstlerverband initiiert, soll für Sicherheit sorgen. Bitte haut bis zum 6. August dafür in die Tasten. Unter Meldung 6 kommt ihr direkt zur Petition und bekommt Infos dazu.
  • Und in eurem eigenen Interesse: wenn ihr gehört werden wollt, was euch an der Entwicklung des Tarifvertrages für Film- und Fernsehschaffende wichtig ist, beteiligt euch an der Befragung dazu (siehe Meldung 5).

Ansonsten wünschen wir euch einen schönen Sommer!
Eure ver.di FilmUnion

  • 1. ES BRENNT am Stachus

    Flammende Gemeinschaftsaktion zum Münchner Filmfest gegen schlechte Arbeitsbedingungen der Filmschaffenden

    28. Juni 2013, Eröffnungstag des Münchner Filmfestes – Es sah aus, wie es immer aussieht, wenn irgendwo im Lande eine Filmpremiere gefeiert wird: Ein roter Teppich, Hunderte von Schaulustigen hinter der Absperrung in Erwartung ihrer Lieblingsschauspieler, eine Stretchlimousine, die am Teppich vorfährt. Die Tür öffnete sich und heraus trat Schauspieler Hans-Werner Meyer, bekannt von Kino- und TV-Filmen wie Der Baader Meinhof Komplex, Contergan, Beate Uhse – Das Recht auf Liebe.

    Was dann passierte, war anders als gewöhnlich. Aus der Limousine stieg kein weiterer Star in eleganter Abendgewandung. Stattdessen hielt Hans-Werner Meyer die Wagentür für die Crewmitglieder auf. Über den roten Teppich schreitend ließen sich dieses Mal Requisiteurin, Continuity, Tonassistent, Beleuchter und Kameramann von den am Rande stehenden Schauspielerinnen feiern. Stuntman Sönke Korries, der als letzter die Limousine verließ, stand lichterloh in Flammen und flanierte so über den Teppich.

    Mit dieser ungewöhnlichen Performance demonstrierte die ver.di FilmUnion gemeinsam mit dem BFFS, dem bvfk und 11 weiteren Verbänden gegen zunehmenden Leistungsdruck, Gagendumping und unzureichende soziale Absicherung bei Film und Fernsehen. Anlässlich der immer prekärer werdenden Arbeitsbedingungen hatten sich die Verbände zum Aktionsbündnis ES BRENNT! zusammengeschlossen. Die ver.di FilmUnion ist sehr froh, dass dieses Bündnis gelang, denn die Missstände betreffen alle, die Profis hinter der Kamera, ebenso wie die Stars im Rampenlicht, die freien MitarbeiterInnen, die Festangestellte und auf Produktionsdauer Beschäftigte. „Vom Glamour allein können wir nicht leben“, war die kollektive Botschaft.

    Christoph Brandl

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  • 2. Die fetten Jahre sind vorbei?

    Die traditionelle sonntägliche Black Box-Diskussion der ver.di FilmUnion während des Münchner Filmfestes war kurzweilig und erfreulich konkret, wie die mehr als 160 Gäste feststellen konnten. Zu verdanken war das natürlich dem prominentem Podium, aber auch dem Video zur Aktion ES BRENNT! am 28.6., das zu Beginn gezeigt wurde und den Leitgedanken setzte:

    Filmschaffende brauchen gute Arbeitsbedingungen und sollen am Erfolg von Filmen beteiligt werden. Aber wie bringt man deutsche Filme in die Gewinnzone? Mit diversen Fördermechanismen, indem gute Film gedreht werden oder englische? Ideen gab es viele. Bestechend die Forderung von Heinrich Schafmeister aus der Perspektive eines Filmschaffenden:

    »Ich bin Arbeitnehmer. Ich bin kein Unternehmer. Ich fordere Euch auf loszugehen und erfolgreiche Filme zu machen!« Und zusammen mit dem 2. Arbeitnehmervertreter auf dem Podium Matthias machte er auch den Filmschaffenden Dampf: »Leute, organisiert euch! Von alleine tut sich nichts.«

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  • 3. Pionierleistung: Kreative erhalten Erlösbeteiligung

    Pionierleistung:
    Kreative beim Film erhalten Erlösbeteiligung für Kinofilme

    Die filmschaffenden Kollegen der ver.di FilmUnion und Schauspielerinnen des BFFS freuen sich mit den kooperierenden Berufsverbänden bvft und BFS über das gemeinsam Erreichte: Alle am Filmset und an der Herstellung des Kinofilms kreativ Beteiligten - also neben anderen Schauspielerinnen, Regisseure, Szenenbildner, Kameraleute, Tonleute und Filmeditorinnen - werden eine Erlösbeteiligung an Kinofilmen erhalten. Diese grundlegend neue Vereinbarung für die etwa 25.000 Filmschaffenden in Deutschland haben die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) und der Bundesverband der Film- und Fernsehschauspieler (BFFS) mit der Produzentenallianz abgeschlossen.

    Sie sichert zusätzlich zu den bereits geltenden Tarifverträgen eine Teilhabe am wirtschaftlichen Erfolg des Films. Sobald der Produzent die für die Filmherstellung eingesetzten Eigenmittel eingespielt hat, wird eine Beteiligung an allen Verwertungserlösen etwa aus Kinoverleih, Fernsehrechten oder Weltvertrieb von zunächst 7,5 Prozent fällig, bis die meist zur Filmfinanzierung eingesetzten Förderdarlehen zurückgezahlt sind. Danach steigt die Beteiligung auf 12,5 Prozent und schließlich in einer dritten Stufe auf 15 Prozent, sobald weitere Erlöse in Höhe von 20 Prozent der Produktionskosten erzielt sind. Der Tarifvertrag gilt für ab 2014 gedrehte Kinofilme.

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  • 4. Tatorte Köln, Kiel, Hamburg, München ...

    Tatorte Köln, Kiel, Hamburg, München: die ver.di FilmUnion ermittelt...

    Sommerzeit, Drehzeit. Immer zur Drehsaison geht die ver.di FilmUnion auf Besuch, auf Setbesuch nämlich. Heuer waren es Drehorte in Köln, Hamburg und München, die von Vertretern der ver.di FilmUnion zur Verbreitung von Informationen unter den Filmschaffenden genutzt wurden.

    Der Empfang der Kollegen von der FilmUnions war überall offen von herzlich bis kritisch. Von SOKO Köln über Tatort Kiel, Bella Block bis zu »Zwei allein« gab es hilfreiche Rückmeldungen zur Umsetzung des Tarifvertrages. Vieles klappt bereits ganz gut, einiges wie die Arbeitszeiten sei noch suboptimal.

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  • 5. Was ihr wollt – TV FFS wird neu verhandelt

    Was ihr wollt – Tarifvertrag für Film- und Fernsehschaffende wird ab Herbst 2013 verhandelt

    Feedback von den Filmschaffenden ist jetzt vor der neuen im Herbst anstehenden Tarifrunde besonders wichtig und nun gibt es online und bei Setbesuchen die Gelegenheit dazu. Die ver.di FilmUnion möchte wissen, welche Themen Filmschaffenden besonders wichtig sind und mit welchem Nachdruck wir in die Verhandlungen gehen können. Die Fragen richten sich an auf Produktionsdauer Beschäftigte und auch an Rechnungstellerinnen. Uns interessiert auch die Meinung von Filmschaffenden, die nicht oder noch nicht in der ver.di FilmUnion organisiert sind.

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  • 6. Online-Petition: Sicherung der Künstlersozialkasse

    Es fehlen noch Stimmen.

    Noch bis zum 6. August kann eine Petition zur Künstlersozialversicherung gezeichnet werden, die eigentlich Selbstverständliches erreichen will: Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) soll per Gesetz verpflichtet werden, mindestens alle vier Jahre diejenigen Unternehmen zu prüfen, die Selbstständige aus Publizistik und Kunst beschäftigen und deshalb zur Zahlung der Künstlersozialabgabe verpflichtet sind.

    Die Künstlersozialkasse (KSK) wäre in ihrer Existenz gefährdet, wenn immer weniger Unternehmen und Einrichtungen ihrer Abgabepflicht nachkommen. Diese Gefahr droht, denn der Ausschuss für Arbeit und Soziales unter Federführung der Regierungskoalition hat aus einem Gesetzentwurf des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales die Prüfpflicht alle vier Jahre herausgestrichen: "Damit hat die Bundesregierung deutlich gemacht, dass ihre Beteuerungen, die Künstlersozialkasse (KSK) dauerhaft stabilisieren zu wollen, leere Worthülsen sind", kritisierte der stellvertretende ver.di Vorsitzende Frank Werneke.

    Zur Petition

    Zum Beitrag Online-Petition zur Künstlersozialkasse

    Zur Pressemeldung »ver.di kritisiert "Worthülsen" der Bundesregierung wegen Finanzierung der Künstlersozialkasse«

  • 7. Der Tipp: Die Vertragsverhandlung

    Da freut man sich, denn endlich gibt es wieder Arbeit, doch eine Hürde muss noch genommen werden. Der Vertrag muss verhandelt werden. Besonders für die Produktionsdauer Beschäftigten ist dies oft ein leidiges Thema. Denn in der Praxis gestaltet es sich häufig mühsam, bis man den Vertrag endlich in den Händen hat. Und wenn es so weit ist, steckt man schon mitten im Dreh. Damit man dann keine böse Überraschung erlebt, wenn man den Inhalt liest und bemerkt, dass das, was da steht, nicht das ist, was man zu verhandeln meinte, sollte man sich gut auf die Verhandlung vorbereiten. Gerade weil Zeit ein rares Gut ist. Die Viertelstunde, die man für die Verhandlung gewährt bekommt, sollte man daher gut nutzen und klare Vorstellungen vortragen.

    Liste auf, was dir wichtig ist. Welche Bedingungen müssen mindestens erfüllt sein, damit du den Job annimmst? Was ist dein Preis? Brauchst das Arbeitszeitkonto oder hast du eine Anschlussbeschäftigung? Überstundenregelung etc.
    Ist deine Produktionsfirma tarifgebunden? Falls du das nicht weißt, kannst du es bei den Kolleginnen der ver.di FilmUnion in Erfahrung bringen (tarifcheck@connexx-av.de). Wenn ja, dann gilt mindestens Tarif und du kannst dich darauf berufen.

    Häufig werden Pauschalen angeboten, in denen Mehrarbeit schon abgegolten ist, z.B. über 60 Wochenstunden. Das ist nur möglich, wenn diese Pauschale nicht nachteilig für dich ist. Rechne dir vorher aus, ausgehend von deiner üblichen Wochengage oder der Tarifgage, mit der bis zu 50 Wochenstunden abgegolten sind, wieviel du hochgerechnet bekommen müsstest. Dabei müssen auch die tariflichen Zuschläge eingerechnet werden, z.B. 25% Zuschlag für die 51. Bis 60. Wochenstunde. Und ganz wichtig, was über die vereinbarte Zeitpauschale hinausgeht, muss extra vergütet werden. Auch das Zeitkonto wird von solch einer Pauschale nicht berührt.

    Ist das Verhandlungsgespräch so gut gelaufen, dass du den Job machen willst, fasse die Ergebnisse zusammen und sende sie per Mail an deinen Vertragspartner. Damit ist für beide Seiten Klarheit geschaffen.

    Bei Fragen zu Verträgen ...

    FAQs zum Tarifvertrag von 2010, aber immer noch gut

  • 8. Veranstaltungen der ver.di-FilmUnion

    ver.di FilmUnion Berlin – mitgliederoffenes Treffen

    Am Dienstag, den 6. August 2013 lädt der Vorstand der ver.di FilmUnion Berlin seine Mitglieder zu seiner Sitzung ab 19:30 ein, im ver.di-Landesbezirk, Köpenickerstr.30, Raum 5.12
    Selbstständige, auf Produktionsdauer beschäftigte und fest angestellte Filmschaffende haben die Möglichkeit, sich mit dem Vorstand über die aktuelle Situation an den Sets und in den Produktionen und Betrieben auszutauschen über Arbeitsbedingungen, Honorare, Tarif ... und erfahren aus erster Hand alles über die aktuelle Gewerkschaftsarbeit im Filmbiz.

    Anmeldung und Info bitte bei kathlen.eggerling@connexx-av.de

    Stammtisch Film- und Fernsehschaffende

    Am Dienstag, 13. August 2013 lädt der Vorstand der ver.di FilmUnion Köln zum Stammtisch ins Kölsch.
    Anmeldung und Info bitte bei johannes.brueckner@connexx-av.de

  • 9. Meldungen

    Der WDR wird transparenter – ein bisschen zumindest

    Anfang Juli hat der WDR erstmals seinen Produzentenbericht veröffentlicht, um für etwas mehr Transparenz zu sorgen. Demnach hat der WDR 2012 mit mehr als 240 Film- und Fernsehproduzenten zusammengearbeitet und dort Aufträge von insgesamt knapp 85,7 Millionen Euro vergeben. Gut zwei Drittel (67 Prozent) des WDR-Auftragsvolumens an Produzenten ging nach Nordrhein-Westfalen. Doch nach einer Meldung des online-Dienstes DWDL reicht den Produzentenverbänden in NRW das längst noch nicht.

    Eine ihrer Kernforderungen ist die vollständige Veröffentlichung aller vom WDR mitfinanzierten Programme - inklusive der Vorabendsendungen im Ersten und über die ARD-Einkaufstochter Degeto beauftragte Produktionen. Beide Felder, in die jährlich zweistellige Millionenbeträge fließen, hat der WDR bisher aus seinem Bericht ausgeklammert. Für die NRW-Verbände ist insbesondere von Interesse, welche Rückflüsse aus diesen Investitionen an NRW-Produzenten gehen. Auch sehen sie eine zu starke Bevorzugung der WDR-Tochterunternehmen zuungunsten der unabhängigen Produktionsunternehmungen. Mit ihrer Kritik haben sich die Verbände in einem Brief an den Intendanten Tom Buhrow gewandt.

    WDR-Produzentenbericht im Original (pdf-Datei)


    KKR und Permira verabschieden sich von ProSiebenSat.1 und ProSiebenSat.1 von Hunderten Mitarbeitern

    ProSiebenSat.1 macht sich nach sechs Jahren unter der Regie der Finanzinvestoren KKR und Permira auf den Weg in die Eigenständigkeit. Die Hauptversammlung des TV-Konzerns stimmte am Dienstag im München erwartungsgemäß einer Veränderung der Aktienstruktur zu und macht damit den Weg für den lange erwarteten Ausstieg von KKR und Permira frei. Damit können sich die beiden jetzt von ihren verbleibenden Anteilen über die Börse trennen. Die Sendergruppe dürfte damit ein heißer Kandidat für die Aufnahme in den DAX werden. Dort gibt es bisher keine Medienunternehmen.

    Um den Sender für diese Veränderungen schick zu machen, werden nach Berichten von wuv und Kontakter per Freiwilligenprogramm abgesegnet von Betriebsrat Hunderte von Mitarbeitern angebaut.

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    Interview Christine Strobl

    Im Juli 2012 hat sie die Geschäftsführung der ARD-Filmproduktionstochter Degeto übernommen. Jetzt versucht Christine Strobl, die Firma und deren Mitarbeiter in ruhigere Gefilde zu steuern. Einen Einblick in die Arbeit der Degeto gibt sie in einem ausführlichen Interview, das die der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gegeben hat

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    ZDF Enterprises verkauft Programme nach China

    Der Programmvertrieb ZDF Enterprises hat einen umfangreichen Vertrag für den chinesischen TV-Markt abgeschlossen und wird in den kommenden beiden Jahren insgesamt 200 Programmstunden hochkarätiger Dokumentationen nach China verkaufen. 100 Stunden an Programmmaterial sollen bereits 2013 geliefert werden, die zweite Hälfte dann im kommenden Jahr. Vertragspartner von ZDF Enterprises ist der chinesische Vertreiber LIC, der seine Inhalte auf über 300 Programmkanälen in China ausstrahlt.

  • 10. Impressum / Abo

    Die ver.di FilmUnion will mit diesem Newsletter für bessere Information und Transparenz bei den Beschäftigten der Produktionswirtschaft von Film und Fernsehen sorgen. Insbesondere greifen wir film- und sozialpolitische Themen auf. Die ver.di FilmUnion bildet das gewerkschaftliche Netzwerk von Film- und Fernsehschaffenden und allen anderen Beschäftigten in Produktions-, Dienstleistungs- und Studiobetrieben.

    Wir treten für Kunstfreiheit, gerechte Arbeitsbedingungen, soziale Absicherung und vor allem die Umsetzung tariflicher Bestimmungen ein. Als vorrangiges Ziel streben wir eine integrierte Interessenvertretung der Film- und Fernsehbeschäftigten in der zergliederten Branche gegenüber Sendern, Produzenten und der Politik an.

    Der ver.di-FilmUnion-Newsletter erscheint alle zwei Monate. Wenn Sie den ver.di-FilmUnion-Newsletter nicht mehr erhalten wollen, melden Sie ihn bitte hier ab: http://www.connexx-av.de/publikationen_newsletter_bfv.php.

    Bei Fragen, Anregungen oder Kritik erreichen Sie uns unter:
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    Autor und Texter der Beiträge:
    Christoph Brandl

    Redaktion: Kathlen Eggerling
    Impressum und V.i.S.d.P.
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