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Tarifinformation für Filmschaffende

Tarifinformation für Filmschaffende

Das Tarifergebnis für Filmschaffende in den Details

In der dritten Runde der Tarifverhandlungen für die rund 25.000 Film- und Fernsehschaffenden hat ver.di am 1. März 2016 deutliche Verbesserungen erreicht. Die Tarifgagen erhöhen sich um 30 Euro pro Woche ab April 2016, ab Januar 2017 erfolgt eine weitere Anhebung um drei Prozent. Im Gesamtvolumen sind das 5,75 Prozent Tarifsteigerung. Die Arbeitszeit bei Kinoproduktionen darf künftig nur noch an drei von fünf Arbeitstagen über zwölf Stunden hinausgehen. Der Gagenabschluss hat eine Laufzeit bis Ende 2017, der Manteltarifvertrag mit den verbesserten Regelungen zur Arbeitszeit bis Ende 2019.

Höchstarbeitszeit 12 statt 13

ver.di konnte sich auch mit einer weiteren Absenkung der täglichen Höchstarbeitszeiten durchsetzen. Damit konnte seit 2010 die häufig zu lange und belastende Arbeitszeit am Filmset zum dritten Mal verkürzt werden. Die neue Regelung sieht vor, dass bei Kinoproduktionen nur noch an 60 Prozent der Drehtage 13 statt zwölf Stunden gearbeitet werden darf. Für aufgrund von Massenszenen oder Kostümen aufwändige TV-Eventmovies darf wie bisher noch an 80 Prozent der Drehtage 13 Stunden gearbeitet werden. Eine Senkung gibt es dagegen für bestimmte TV-Formate wie Dokumentationen, hier gilt dies nur für 20 Prozent, bei Serien wie Daily-Soaps nur für zehn Prozent der Drehtage. Damit ist klar, dass zwölf Arbeitsstunden weiterhin die Regel bleiben, von der sehr eingeschränkt und im Rahmen der nun noch schärferen tarifvertraglichen Grenzen abgewichen werden darf.

Neue Berufsbilder in der Gagentabelle

Herstellungsleitung Gage um 1/3 über Produktionsleitung
Assistenz der Filmgeschäftsführung Gage wie 2. Kamera-Assistenz
Material-Assistenz Gage wie 2. Kamera-Assistenz
Data-Wrangler HD Gage wie 2. Kamera-Assistenz

Die Gagentabelle mit den Team-Berufen und den dazu gehörigen Wochengagen wurde mit dem Tarifabschluss erweitert. Es kommen vier neue Positionen dazu, mit einer Gagenhöhe auf dem Niveau einer anderen bereits in der Tabelle enthaltenen Position. Nicht aufgenommen werden konnten die Berufe aus dem Bereich Beleuchtung/Kamerabühne. Die Vorstellungen der Produzentenallianz lagen zu weit unter den von ver.di geforderten Gagenhöhen.

Allgemeinverbindlichkeit

Für den Manteltarifvertrag bemühen sich die Tarifparteien Produzentenallianz und ver.di um eine Allgemeinverbindlichkeitserklärung beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales, nach der das Regelwerk auch für nicht tarifgebundene Filmproduktionen gelten würde. Dies wäre angesichts zunehmender Tarifflucht von Produktionsfirmen und der kurzen, immer wieder unterbrochenen Beschäftigungszeiten für Filmschaffende ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Denn die meisten Filmproduktionen erhalten Förderungen oder werden im Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks produziert. Tarifdumping von Filmproduktionen, die mit Fördergeldern aus Steuern oder Geldern der Bürger aus dem Rundfunkbeitrag ermöglicht werden, ist jedoch nicht akzeptabel. Eine Geltung der Tarifregeln bei ausnahmslos jeder Filmproduktion könnte dagegen helfen.

Was ist nicht gelungen, was konnte verhindert werden?

Durchsetzen konnte sich die ver.di FilmUnion in dieser Verhandlung nicht bei der Anrechnung als Arbeitszeit von sogenannten Shuttlezeiten für den Bustransfer vom Team-Hotel zum Drehort.Abwehren konnte die Verhandlungskommission der ver.di FilmUnion die Forderung der Produzentenallianz, dass Berufseinsteiger erst ab dem dritten Filmprojekt die Tarifgage erhalten sollten. Damit bleibt es dabei: Arbeitet jemand, egal mit welcher Berufserfahrung, auf einer Position der Gagentabelle, so ist das tarifvertragliche Mindestgehalt fällig. Gagenabschläge bei geringerer Erfahrung oder für bestimmte Film-Genres, auch darüber wollte die Produzentenallianz verhandeln, gibt es nicht, die Tarifgagen sind immer uneingeschränkt einzuhalten.

Ab April gilt‘s

Das Tarifergebnis wird nun ausformuliert und bis Ende März 2016 im Tarifausschuss der Film- und Fernsehschaffenden in ver.di beraten. Danach tritt es dann mit den neuen Regelungen und Gagensätzen ab April 2016 in Kraft.

Demonstration der Filmschaffenden vor der zweiten Verhandlungsrunde für Film- und Fersnehschaffende in München mit Unterstützung von Michael Brandner Werner Bachmeier Aktion Tarifrunde Film- und Fernsehschaffende in München

Danke!

Notwendig und hilfreich war es, dass sich Filmschaffende für die Tarifforderungen und die Verhandlung engagiert haben; z.B. mit der Demonstration vor dem Verhandlungsraum am 21. Januar in München. Dazu hatten auch die mit ver.di kooperierenden Berufsverbände BFS, bvft und die Schauspielgewerkschaft BFFS beigetragen. Die Forderungen, die von den Protestierenden genannt wurden und die sich auch aus der Umfrage der ver.di FilmUnion vor Beginn der Tarifrunde ergeben haben, konnten mit dieser Unterstützung verhandelt werden. Ohne dieses Engagement von Filmschaffenden wäre das Tarifergebnis sicherlich nicht erreichbar gewesen.

Mehr und besser!

Je mehr Filmschaffende Mitglied der ver.di FilmUnion werden, desto besser für alle und für jede und jeden Filmschaffende selbst. Die Ansprechpartner an den Filmstandorten unterstützen bei Fragen und Konflikten um den Arbeitsvertrag und helfen bei der Durchsetzung der erreichten Tariferfolge. Für Mitglieder ist Rechtsberatung und Rechtschutz im Beitrag enthalten. Gemeinsam erreichen Filmschaffende in der ver.di FilmUnion mehr - je mehr Filmschaffende Mitglied werden, desto besser.

Ich wäre gern dabei! Mitglied werden

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