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Umfrage Tarifrunde FFS

Umfrage Tarifrunde FFS

14.12.2015

Detaillierte Ergebnisse der ver.di-FilmUnion-Umfrage zur Vorbereitung der Tarifrunde

Mit einer Umfrage unter Film- und Fernsehschaffenden (FFS) hat die ver.di FilmUnion die Tarifverhandlungsrunde vorbereitet, die am 27. November mit der ersten Verhandlung in Berlin gestartet ist. Die Umfrageergebnisse sind in die Arbeit des ver.di-Tarifausschusses von Film- und Fernsehschaffenden eingeflossen.

An der Umfrage haben 890 Filmschaffende teilgenommen und Angaben zu ihrer persönlichen Berufssituation, ihren Vorstellungen für die Tarifrunde und Erfahrungen bei der Umsetzung der Tarifverträge gemacht.

1.     Persönliche und berufliche Angaben

Befragt wurden ausschließlich auf Produktionsdauer Beschäftigte, die überwiegend in den Genres TV-Movie (709 Nennungen), Kino (664 Nennungen) und TV-Serie (571 Nennungen) beschäftigt sind. Weniger wurden die Genres Dokumentation (152 Nennungen), Non-fiction (101 Nennungen), Telenovela (83 Nennungen) und Sonstiges (376 Nennungen) genannt. Die Befragten sind überwiegend erfahrene Filmschaffende, die seit mehr als zehn Jahren im Filmgeschäft arbeiten.

Grafik zur Umfrage zum TV FFS mit Berufsjahren der Filmschaffenden ver.di FilmUnion Umfrage TV FFS Berufsjahre

Die beiden größten Altersgruppen sind mit einem Anteil von zusammen über 60% die 30-40- und die 40-50-Jährigen.

Ergebnisse Altersstruktur der Befragten in der ver.di-Umfrage zum Tarifvertrag für Film- und Fernsehschaffende TV FFS ver.di FilmUnion Umfrage TV FFS Altersstruktur

Zwei Drittel der Befragten sind Männer, ein Drittel Frauen.

2.     Tarifziele

Der wichtigste Wunsch aller Umfrage-Teilnehmenden zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen ist die Erhöhung der Tarifgagen. Danach folgen im Ranking die Begrenzung der Arbeitszeiten auf maximal zwölf Stunden pro Tag und eine bessere Anreiseregelung.

Ergebnisse zu den Tarfizielen der ver.di-Umfrage zum Tarifvertrag für Film- und Fernsehschaffende TV FFS ver.di FilmUnion Umfrage TV FFS Tarifziele

Außerdem als wichtig erachtete Tarifziele konnten frei benannt werden. Diese Möglichkeit nutzen die meisten dafür zu beschreiben, welche Bestandteile des Tarifvertrages nicht zufriedenstellend umgesetzt werden. Von insgesamt 335 Antworten bezogen sich die meisten Nennungen auf die bessere Einhaltung der tariflichen Regeln (83 Nennungen), 27 wünschten sich die Einhaltung der tariflichen Mindestgagen, 24 forderten die Einhaltung der Ruhezeiten. Einige Male wurden auch die von den öffentlich-rechtlichen Sendern gedeckelten Budgets für Auftragsproduktionen sowie die unzureichende weiterhin fehlende soziale Absicherung kritisiert. Dies sind wichtige Ziele, für die sich die ver.di FilmUnion auf politischer Ebene einsetzt.

21 Äußerungen bezogen sich auf die Begrenzung der Arbeitszeit. Der Wunsch nach der Erweiterung der Gagentabelle um weitere Berufe wurde 26 Mal genannt, überwiegend die des Beleuchters und der Kamerabühne. Weitere Nennungen bezogen sich auf Themen wie Gagenstufen (6x), Arbeitssicherheit (6x). Deutlich an den Nennungen wurde auch, dass die Formulierungen des Tarifvertrags zum Teil als nicht eindeutig eingeschätzt werden.

3.     Umsetzung des Tarifvertrages

Zur Umsetzung des TV FFS nennen wir hier die wichtigsten Punkte:

Arbeitszeit: Die tarifvertraglich gesetzten Höchstgrenzen, nach denen an maximal 40 Prozent der Drehtage in Fernsehproduktionen und an 80 Prozent der Drehtage in Kinoproduktionen mehr als zwölf Stunden gearbeitet werden darf, werden überwiegend nicht eingehalten. 52,5 % gaben an, dass die Höchstarbeitszeiten häufig überschritten werden.

Zeitkontoregelungen: Ein Drittel (32,5 %) der Befragten gab an, das Zeitkonto immer oder häufig zu nutzen, fast die Hälfte (44,9 %) nutzen es selten oder nie. 60 % fragen selten oder nie danach. 19,8 % machen die Erfahrung, dass die Produktionen das Arbeitszeitkonto immer oder häufig ablehnen.

Anwendung der Zuschlags- und Ausgleichsregeln: Zusammengefasst lässt sich sagen, dass desto weniger Zuschläge gezahlt werden, je länger die Arbeitszeit ausgeweitet und je mehr Mehrarbeit zu leisten ist. Für die 13. tägliche Arbeitsstunde geben 70,5% der Teilnehmenden an, selten oder nie Zuschlag zu erhalten; 51,1% geben an, keinen Zuschlag von 25 % für die 51. bis 60. Mehrarbeitsstunde zu bekommen; 77,5 % keinen Zuschlag ab der 61. Mehrarbeitsstunde.

Zuschläge für Sonn- und Feiertage bekommen 72,5 % selten oder nie, für Nachtarbeit 74,5% selten oder nie.

Einen Ausgleichstag für gearbeitete Sonn- und Feiertage bekommen 49,7% selten oder nie.

Ruhezeiten: 18% geben an, dass 11 Stunden Ruhezeit zwischen zwei Arbeitstagen selten oder nie eingehalten werden; die verlängerte Ruhezeit von 12 Stunden nach einem langen Arbeitstag über 13 Stunden wird selten oder nie eingehalten, sagen 42,9 %; 36% geben an, dass ein Ruhetag von 24+11 Stunden selten oder nie eingehalten wird; 11,5 % geben an, dass zwei zusammenhängende freie Tagen im Monat selten oder nie gewährt werden.

Reisezeit: 52,9 % geben an, dass selten oder nie die Reisezeit vergütet wird

Entgeltzahlung bei Krankheit: Die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall klappt bei 35,4% immer oder häufig; bei 37,4 % dagegen selten oder nie.

Pensionskasse: 61,8 % derjenigen, die Mitglied in der Pensionskasse sind, geben an, dass die Produktionen immer oder häufig den Anteil dazu zahlen.

Gage: Mit ihrer üblichen Gage sind 16,5% nach Tarif bezahlt; 35,5 % sind übertariflich bezahlt. 21,2 % geben an, unter Tarif bezahlt zu werden. Über ein Viertel der Teilnehmenden kennt die Tarifgage nicht und kann sich nicht einordnen.

4.     Forderungen und Folgerungen

Zuständig für die Aufstellung eines Forderungskataloges für eine Tarifverhandlung ist der jeweilige Tarifausschuss. Der Tarifausschuss für den Filmbereich setzt sich zusammen aus Film- und Fernsehschaffenden diverser Gewerke, die bei Mitgliederversammlungen der ver.di FilmUnion gewählt wurden. Auch die mit ver.di kooperierenden Verbände bvft und BFS entsenden jeweils eine/n Vertreter/in in den Tarifausschuss.

Die vorliegenden Umfrageergebnisse haben dem Tarifausschuss eine wertvolle Diskussionsgrundlage zur Aufstellung der Forderungen für die Verhandlungsrunde geliefert.

Die weitgehenden, aber sehr berechtigten Wünsche hat der Tarifausschuss in seinen Forderungskatalog einfließen lassen. Diese lauten zusammengefasst:

·         Gagenerhöhung um einen Sockel-/Festbetrag von 50 €, Laufzeit von 12 Monaten

·         Tarifierung Beleuchtung/Kamerabühne mit 1600/1550 € pro Woche, weitere Berufe im Gewerk dementsprechend

·         Arbeitszeitregelung mit Maximalarbeitszeit 12 Stunden

·         Zeitkonto 50-40-Plus reaktivieren

·         Shuttle-Zeiten sind Arbeitszeiten

Um eine verbesserte Einhaltung des Tarifvertrages zu erzielen, soll seine Anwendung auch von der Produzentenallianz kontrolliert werden, und die Allgemeinverbindlichkeit soll geprüft werden.

Darüber hinaus muss die kommende Gebührenperiode finanzielle Spielräume für Preissteigerungen und mehr Drehtage bieten, damit nicht nur die Qualität der Fernsehfilme und Serien stimmt, sondern auch ein auskömmliches und auch wieder steigendes tatsächliches Einkommen bei den Filmschaffenden ankommt. Dieses Ziel kann allerdings nicht tariflich erreicht werden, sondern ist ein politisches, für das sich ver.di einsetzt.

Tariferhöhungen und bessere Arbeitsbedingungen kann ver.di nur dann durchsetzen, wenn nicht nur du, sondern auch mehr deiner Kolleginnen und Kollegen der ver.di FilmUnion beitreten. Die Verhandlung von Tarifverträgen gelingt am besten mit und für die Mitglieder, für die das Regelwerk gilt.

Zu der Umfrage haben wir ganz bewusst ein breiteres Meinungsbild abgefragt, also auch von allen, die noch nicht ver.di-Mitglied sind. Wenn du an den Meinungsbildungsprozessen der ver.di FilmUnion und vor allem der Durchsetzung von Zielen mitwirken möchtest, dann ist der Schritt zum Gewerkschaftsbeitritt nicht mehr weit. Falls du dazu noch Fragen hast, melde dich bei den KollegInnen der ver.di FilmUnion!

Wenn du schon ver.di-Mitglied bist: schön, das du dabei bist!

Für die weiteren Schritte rund um den Tarifvertrag für Filmschaffende werden wir dich über unseren Film-Newsletter und andere Kanäle informieren. Wenn wir Aktionen planen, werden wir dich mit einbeziehen.

Filme schaffen ist ein tolle Profession, die ver.di FilmUnion will mit dir dazu besser bezahlte, respektierte und rundum zufriedenstellende Rahmenbedingungen schaffen.

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