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ver.di am Set bei "Homeland"

ver.di am Set bei "Homeland"

Berlin, 29. Oktober 2015

Die ver.di FilmUnion war heute zu Besuch beim Dreh der 5. Staffel von Homeland. Die ersten Filmschaffenden, die wir am Drehort am Westhafen ansprechen, wollen uns gleich wieder wegschicken, weil sie annehmen, dass wir zu den Hafenarbeitern der Behala wollen. Dass wir wegen ihnen da sind, finden sie erfreulich. 

Während wir zwischen der Unit Base mit dem Catering und dem Set stehen, kommen wir mit vielen ins Gespräch. Heute ist offensichtlich ein continuous day angesagt. Es scheint keine feste Mittagspause zu geben, jeder kommt zum Catering, wann er Zeit hat. Und immer wieder rollt ein Bollerwagen mit Essensportionen in Warmhalteboxen vom Catering zum Set. Darauf angesprochen, sagen die Kollegen, dass es meistens eine einstündige Pause gibt und das gut klappt.

Stunden kommen viele zusammen, dafür soll die Bezahlung gut sein, "übertariflich" geben die Kollegen an. Allerdings gibt es keine Nachtzuschläge, erfahren wir, und Nachtarbeit fällt nicht wenig an. Auch die Sonntagsarbeit ohne Ausgleichstag gefällt den Beschäftigten nicht.

Die Crew ist international und kommt aus vielen Ländern. Einige internationale Crewmitglieder wundern sich, dass ihre deutschen TeamkollegInnen Unklarheiten diskussionslos hinnehmen und nicht für ihre Rechte eintreten. Dass deutsche Filmschaffende auch als „white Mexicans“  betitelt werden, weil sie nicht nur gut, sondern auch billig arbeiten, ist vielen bekannt.

Schon einmal, nämlich nach dem Besuch am Set zum Snowden Film, hatte die ver.di FilmUnion die betreffende Produktionsfirma an den Spottbegriff der "white Mexicans" erinnert, der unter US-Amerikanern als Synonym für billige Arbeitskräfte in der deutschen Filmbranche kursiert. Geändert hat sich seitdem nichts.

Auch deshalb können wir die KollegInnen nur immer wieder ermuntern, sich gewerkschaftlich zu organisieren - wie es z.B. in den USA gang und gebe ist - und sich an uns zu wenden. Gegenüber den Filmschaffenden am Homeland-Set betonen wir außerdem, dass wir ihre Unterstützung in der anstehenden Tarifrunde gebrauchen können. Unsere Gesprächspartner können sich das vorstellen und wären zudem gern mal bei Tarifverhandlungen dabei.

Zum Thema "White Mexicans - Billige Arbeitskräfte in der Filmbranche" empfehlen wir auch einen Beitrag aus dem Deutschlandfunk mit Ingo Weerts von der ver.di FilmUnion