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X Filme bekennt sich zum Tarifvertrag

X Filme bekennt sich zum Tarifvertrag

 21. Dezember 2019

Unter der Regie von Dominik Graf drehte die X Filme Creative Pool GmbH u. a. in Köln den Tatort „In der Familie“ (Teil 1). Drehschluss war am 13.12.2019. Fünf Tage später fanden die Stabmitglieder einen Brief der X Filme in der Post. Inhalt war ein Vertragszusatz, der regelte, dass der gesamte Tarifvertrag TV FFS in der Produktion zur Anwendung gebracht wird.

Das war in der Vergangenheit bei X Filme leider nicht der Standard. Die Regel war bisher stattdessen das typische „Rosinenpicken“ bei den Höchstarbeitszeiten im TV FFS. In den aktuellen Verträgen zum Tatort etwa wurde an keiner Stelle erwähnt oder bestimmt, dass der TV FFS Anwendung findet. Doch gab es eine Vertragsanlage, welche ausschließlich die Ziffern zur Höchstarbeitszeit (aus § 5, TV FFS)  auflistete. Zwar waren die Grundgagen bei den meist hochwertigeren Produktionen akzeptabel. Wer allerdings nach den bezahlten Ausgleichstagen für Sonn- und Feiertagsarbeit, Lohnfortzahlung bei Arbeitsunfähigkeit vom ersten Arbeitstag an oder Urlaubsanspruch ab dem siebten Tag fragte, der wurde meist mit dem Hinweis abgefertigt: „Wir sind ja nicht tarifgebunden.“ 

Schon während der Dreharbeiten zur ersten und zweiten Staffel von „Babylon Berlin“ hatten wir als ver.di-FilmUnion das konstruktive Gespräch mit der X Filme gesucht. In beiden Produktionsjahren war aber deren Antwort, dass der TV FFS in allen Leistungen zu teuer und finanziell nicht tragbar sei. Dass die bis dato teuerste Serienproduktion in Deutschland nicht genug Geld für die Leistungen des TV FFS haben will, erscheint uns jedoch wenig glaubhaft.

Das zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, dass die Vergabe öffentlicher Filmförderung endlich an die Einhaltung der Mindestbedingungen des TV FFS geknüpft wird. Eine Forderung, für die sich ver.di schon lange stark macht. Erst kürzlich waren wir etwa bei den Berliner Abgeordneten, um mit Blick auf die Novellierung des Filmfördergesetzes 2022 klarzumachen, dass die Einhaltung des Tarifvertrags Förderkriterium werden muss.

 

Bei der aktuellen Tatort-Produktion der X-Filme sahen nun viele Filmschaffende im dreisten „Rosinenpicken“ der Produktionsgesellschaft einen Grund, sich bei der ver.di-FilmUnion zu melden. Denn im aktuell gültigen TV FFS ist unmissverständlich geklärt, dass insbesondere aus § 5 TV FFS (Mindestgagen, Arbeitszeitkonto, Höchstarbeitszeiten, Zuschläge usw.) keine einzelnen Ziffern isoliert angewendet werden dürfen. Und nur wer im Arbeitsvertrag klar definiert, dass der TV FFS zur Anwendung gebracht wird, darf ihn auch nutzen. Für alle anderen gilt das Arbeitszeitgesetz. Ausnahme sind tarifgebundene Mitglieder der Produzentenallianz und des Film-und Medienverbundes NRW. Hier gilt der TV FFS immer zwingend und muss nicht gesondert aufgeführt werden. Ob eure Produktion tarifgebunden ist, können Mitglieder der ver.di FilmUnion bei uns erfragen.

Speziell vor diesem Hintergrund freuen wir uns, dass Sich die X Filme nunmehr zur uneingeschränkten Anwendung des TV FFS bekannt hat. Im Jahr 2020 werden wir die X Filme intensiv tarifpartnerschaftlich begleiten und freuen uns darauf, die Anwendung des TV FFS in allen Verträgen der X Filme von Beginn an wiederzufinden. Und werden in sehr naher Zukunft weitere Produktionsfirmen dazu auffordern, sich verbindlich zu positionieren.


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