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Datenschutzfreie Zone bei „Team 13“

Datenschutzfreie Zone bei „Team 13“

Höchst zweifelhafte „Schweigepflichtentbindungserklärung“ im Projekt „Team 13“
Foto der von Filmpool verschickten Schweigepflichtentbindungserklärung Foto der von Filmpool verschickten Schweigepflichtentbindungserklärung Schweigepflichtentbindungserklärung Filmpool / RTL II

***Update vom 21. Juni 2018***

Wie ein Gespräch der ver.di-FilmUnion mit Filmpool ergeben hat, hat es sich bei der Aufforderung an alle Teammitglieder von "Team 13", die Schweigepflichtentbindungserklärung zu unterschreiben, um ein Missverständnis zwischen der Filmpool und dem Versicherer gehandelt. Filmpool hat alle betroffenen Mitglieder des Projekts umgehend darüber informiert, dass sie das Dokument nicht unterschreiben müssen. Wir bedanken uns für das konstruktive Gespräch und die schnelle Auflärung dieses Missverständnisses!

19. Juni 2018

Im Vorfeld der Dreharbeiten zur neuen Serie „Team 13“ erhielten viele Filmschaffende in den letzten Tagen eine Mail der Produktionsfirma Filmpool in Köln. Über den Inhalt rieben sich einige die Augen.

Die angehängte „Schweigepflichtentbindungserklärung“ hatte es wahrlich in sich:

Darin wird tatsächlich von allen Filmschaffenden in der Produktion „Team 13“ verlangt, bei einem verursachten „Ausfallschaden“ der Versicherung ausnahmslos alle vorhandenen medizinischen Daten freizugeben, und das auch noch rückwirkend bis zur Geburt.

Dies würde umfassen:

  • jede Klinik
  • jedes Krankenhaus
  • jedes Labor
  • jede andere medizinische Einrichtung
  • jede Versicherung oder Rückversicherung
  • jegliche Diagnose zu körperlichen und seelischen Störungen
  • etc. pp.

Was man als Fragebogen für Bewerbungen als Astronaut noch tolerieren könnte, wird hier allen Ernstes als Vorausbedingung für die Mitarbeit befristet angestellter Filmschaffender in einer TV-Serie verlangt?

In der zuletzt versandten Mail wird behauptet, der Sender (RTL II) wolle sich damit absichern, dass auch alle Filmschaffenden „gesund sind und das Projekt gesundheitlich durchziehen“ könnten. Außerdem könne „der Dreh nicht starten“, solange nicht alle Erklärungen unterschrieben vorlägen.

Aus der Mail der Filmpool:

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Betreff: Versicherung Sender - bitte unterschreiben

Liebe Team13-Crew!

Schön, dass ihr alle bei unserem Projekt „Team 13“ dabei seid. Wir freuen uns sehr, dass wir gemeinsam durchstarten!

Bevor es jedoch so richtig losgehen kann, möchte der Sender sich absichern, dass wir alle gesund sind und das Projekt gesundheitlich durchziehen können. Deshalb benötigt der Sender von jedem von uns vor dem Dreh eine unterschriebene Schweigepflichtentbindungserklärung. Diese findet ihr anbei.

Bitte schickt mir so schnell wie möglich (per Scan oder Foto) euer unterschriebenes Exemplar zurück.

!!!Bevor wir nicht alle unterschriebenen Erklärungen vorliegen haben, kann der Dreh nicht starten!!!

Das Original bringt ihr dann bitte zum Dreh mit und gebt es beim Set-AL ab.

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Wir als ver.di FilmUnion bewerten die von der Filmpool verbreitete „Schweigepflichtentbindungserklärung“ als sehr problematisch sowie rechtlich höchst fragwürdig und raten euch daher ganz klar:

Unterschreibt solche Vereinbarungen nicht! Nicht bei der Filmpool und auch sonst nirgendwo!

Bereits unterzeichnete Erklärungen, deren Inhalt sich als unzulässig herausstellt, können zudem problemlos nachträglich (z.B. auch nach Drehende) widerrufen werden. Mitglieder der ver.di FilmUnion beraten wir dazu gerne: Kontakt

Denn: Für die Aufnahme einer normalen Beschäftigung müsst Ihr nicht alle euren medizinischen Daten freigeben, erst recht nicht unbegrenzt im Umfang und unbegrenzt rückwirkend!

Die übliche Praxis, nach der eine Filmproduktion erkrankte ArbeitnehmerInnen auf Verlangen durch einen Amtsarzt untersuchen lassen kann, bietet der Produktion bereits heute ausreichend Handlungsmöglichkeiten.

Wir fordern die Filmpool daher auf, die Schweigepflichtentbindungserklärung zurückzunehmen und nicht mehr als Vorausbedingung für eine Mitarbeit bei „Team 13“ darzustellen!