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Setbesuch bei "Babylon Berlin"

Babylon Berlin 4

Setbesuch bei "Babylon Berlin"

01. September 2021

Arbeiten wie in den 30er Jahren?

Die FilmUnion zu Besuch bei Babylon Berlin… leider, wie bereits in den Staffeln 1 & 2, so auch in der aktuellen 4. Staffel aufgrund zahlreicher Beschwerden. Sehr ungewöhnlich und selten: wir wurden per Mail wie auch am Set von auffallend vielen Filmschaffenden mit Fragen zum Thema „Berufsverbot“ konfrontiert. Grund hierfür waren zahlreiche und regelmäßige Überschreitungen der tariflichen wie auch der gesetzlichen Arbeitszeiten, Pausenzeiten wie auch der Ruhezeiten. Diese Themen wurden vielmals von Betroffenen gegenüber dem für die Disposition verantwortlichen AD – Department geäußert, allerdings hat sich an den Arbeitszeiten für die betroffenen Gewerke nichts grundlegend verändert. Das hinterließ bei vielen am Set den Eindruck, dass es für die überlangen Arbeitszeiten „grünes Licht“ seitens der X-Filme in Berlin gegeben haben müsse. Die Produktionsleitung war dagegen explizit nicht Gegenstand der Beschwerden.

Geführte Wochenzettel bestätigen die Vorwürfe: die Arbeitszeiten in Teilen des Teams bei Babylon Berlin sind nicht vom Tarifvertrag TV FFS abgedeckt und verstoßen klar gegen das Arbeitszeitgesetz, auch die regelmäßige Überschreitung der Pausenzeiten sind der X Filme bekannt, werden aber anscheinend wissentlich und billigend in Kauf genommen. Ein Grund hierfür sind die zu langen disponierten Zeiten, da es (wie zu erwarten) regelmäßig zu Verzögerungen kommt. Dass Ruhezeiten und Pausen auch für Filmschaffende in den „schwachen Gewerken“ gelten, musste am Set unzählige Male diskutiert werden.

Rosinenpicken der alten Schule

Besonders bedauerlich ist die Tatsache, dass auch in der 4. Staffel seitens der x-filme ein unzulässiges Rosinenpicken im TV FFS betrieben wird. Obwohl seit 2018 unmissverständlich im Tarifvertrag geklärt, werden weiterhin nur kleine Auszüge des TV FFS zitiert. Mindestbedingung (für nicht tarifgebundene Produktionen) ist die vollständige Anwendung von Ziffer 5 TV FFS in Verbindung mit dem Gagentarifvertrag und dem Zeitkonto. Aus Sicht der FilmUnion ist es daher höchst fragwürdig, ob die X Filme ohne gültige Anwendung des TV FFS überhaupt zur Nutzung der tariflichen Arbeitszeiten legitimiert sind.

UPDATE: am 31.08.2021 ließ uns die X Filme über die Kanzlei SKW Schwarz mitteilen, dass sie zukünftig die gesamte Ziffer 5 TV FFS arbeitsvertraglich anwenden wird. Ob die X Filme dies auch bei BB4 umzusetzen bereit ist, darf bezweifelt werden.  

Ausgleichsstag für Sonntag? „Zu teuer“!

Ebenso unhaltbar ist der Zustand, dass in einer der teuersten dt. Produktionen Leistungen des TV FFS wie z.B. der bezahlte Ausgleichsstag für Sonntagsarbeit in vielen Arbeitsverträgen explizit ausgeschlossen werden sollen. Dabei ist klar im TV FFS bestimmt, dass diese Leistung (wie auch die Zuschläge für Nacht, Samstag, Sonntag & Feiertage) nicht mit einer „übertariflichen Gage“ verrechnet werden können. Die seitens der X Filme gegenüber der FilmUnion getätigte Aussage, das sei ihnen „zu teuer“, da an vielen Sonntagen gearbeitet werde, spricht für sich.

Während die Filmförderungen in den vergangenen Jahren die Einhaltung des TV FFS als Förderkriterium stärker in den Fokus gestellt haben, scheint die X Filme anscheinend weiterhin darauf zu spekulieren, dass der Glamour-Effekt von Babylon Berlin alle Missstände schon überstrahlen werde.

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