Bahnbrechend

Gemeinsame Vergütungsregel mit Netflix

13.03.2020
Matthias von Fintel (l.), der die GVR mit Netflix auf ver.di-Seite federführend mitverhandelt hat, und Heinrich Schafmeister vom BFFS

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) und der Bundesverband Schauspiel (BFFS) schließen Gemeinsame Vergütungsregeln mit Netflix ab und sichern damit Urheber*innen und ausübenden Künstler*innen erstmals eine Beteiligung am wirtschaftlichen Erfolg von deutschen Netflix-Serien-Produktionen.

Berlin, 13. März 2020 – Der Bundesverband Schauspiel (BFFS) und die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) haben sich nach erfolgreichen Verhandlungen mit Netflix auf Gemeinsame Vergütungsregeln (GVR) zugunsten der Filmkreativen geeinigt. Es ist das erste Mal, dass ein Streaming-Entertainment-Dienst in Deutschland eine umfassende kollektivrechtliche Vereinbarung abgeschlossen hat.

Berücksichtigt werden Kreative, die an deutschen Netflix-Original-Serien beteiligt sind, und zwar solche aus den Gewerken Regie, Kamera, Szenen-, Kostüm-, und Maskenbild sowie Tongestaltung, Filmmontage und Schauspiel. Die Gemeinsamen Vergütungsregeln stellen sicher, dass Urheber*innen und ausübende Künstler*innen finanziell von ihrer Zusammenarbeit mit Netflix profitieren, indem sie eine faire und angemessene Erfolgsvergütung für die Kreativen garantieren. Es ist das erste Abkommen dieser Art mit einem Streamingdienst in Deutschland und daher ein Meilenstein für die Film- und Fernsehbranche.

Die neue Vereinbarung sieht unter anderem eine staffelbezogene Zusatzvergütung sowie eine Beteiligung an Zweitverwertungerlösen von Netflix vor, die als Gesamtbetrag gezahlt und dann an alle Anspruchsberechtigten verteilt werden. Die Höhe der zu zahlenden Zusatzvergütung richtet sich dabei nach der weltweiten Zahl der sogenannten Completer, das sind Haushalte, die 90% einer Serien-Staffel gesehen haben.

Bei Erreichen einer bestimmten Richtgröße an Completern erfolgt die Zahlung einer festgelegten Zusatzvergütung. Wird die Richtgröße mehrfach erreicht, wird dieser Betrag ebenso oft ausgezahlt. Es wird selbst dann eine Zahlung fällig, wenn innerhalb eines festgelegten Zeitraumes die Richtgröße nicht erreicht wird. In diesem Fall wird ein der erreichten Completer-Anzahl entsprechender Anteil des festgelegten Betrages gezahlt. Dadurch wird eine kontinuierliche Zusatzvergütung uneingeschränkt gewährleistet.

„Die Sicherstellung einer fairen und angemessenen Vergütung ist für uns von zentraler Bedeutung. Wir glauben, dass sie einen Eckpfeiler unserer Beziehung zu Künstler*innen darstellt und den Grundstein einer nachhaltigen und vertrauensvollen Partnerschaft mit der deutschen Kreativszene markiert. Wir sind stolz auf diese Partnerschaft, da wir fest davon überzeugt sind, dass eine auf Erfolg basierende Beteiligung für Künstler wegweisend für den Markt ist. Wir sind begeistert, Partnerschaften mit diesen Verbänden und Gewerkschaften sowie mit anderen in der Community aufzubauen, da wir auf eine Zukunft hinarbeiten, die auf anhaltendem Respekt und Vertrauen basiert. Wir freuen uns, wenn auch weitere Kreativverbände den Gemeinsamen Vergütungsregeln beitreten bzw. laufende Verhandlungen mit uns abschließen.“ – Rachel C. Schumacher, Senior Counsel, Labour Relations, Netflix

„Das ist eine wegweisende Regelung, mit der ver.di klare und unbürokratisch geregelte Ansprüche auf deutliche Zusatzvergütungen für Filmschaffende erreicht hat. Die Vereinbarung mit Netflix zeigt, wie ein funktionierendes Urheberrecht im Sinne der Kreativen in Zusammenarbeit mit kommerziellen Streamingdiensten ausbuchstabiert werden kann. Es handelt sich um eine Leuchtturm-Vereinbarung und um angemessene Vergütungsregelungen für alle Film-Urheber“, ver.di-Bundesvorstandsmitglied Christoph Schmitz

„Wir freuen uns über einen mutigen, zukunftsweisenden Vertrag mit einem amerikanischen weltweit agierenden Partner, der auch bei uns zu Hause sein und damit seinen Teil der Verantwortung für unsere Filmbranche und uns Filmschaffende übernehmen will“, erklärt Leslie Malton, Vorstandsvorsitzende des Bundesverband Schauspiel: „Die Zukunft klopft an die Tür – und ist willkommen!“

GVR schaffen Basis für zukünftige partnerschaftliche Zusammenarbeit

Für die Kreativen sichern die GVR nicht nur eine faire und angemessene Erfolgsvergütung, sondern bilden für Netflix eine Basis, um das wachsende Produktionsgeschäft in Deutschland gemeinsam mit deutschen Produktionspartnern auszubauen.

Über Netflix

Netflix ist mit über 167 Millionen zahlenden Mitgliedern in über 190 Ländern der größte Streaming-Entertainment-Dienst weltweit und bietet Zugriff auf eine große Auswahl vielfältiger Serien, Dokumentationen und Spielfilme in zahlreichen Sprachen. Mitglieder können die Inhalte jederzeit, überall und mit fast jedem beliebigen internetfähigen Endgerät unbegrenzt streamen, ohne dauerhafte Verpflichtungen einzugehen. Die Wiedergabe der ausgewählten Titel kann dabei ganz ohne Werbeunterbrechungen jederzeit gestartet, unterbrochen und fortgesetzt werden.

Unternehmenskommunikation Netflix
Henning Dorstewitz, Netflix Comms | +4915172306924 | hdorstewitz@netflix.com

Über Ver.di

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) mit knapp zwei Millionen Mitgliedern in etwa 1000 Berufen vertritt rund 40.000 Medienschaffende als Angestellte, auf Produktionsdauer Beschäftigte und auch Selbstständige in Rundfunk, Film- und Kinowirtschaft sowie Verlagen und Online-Medien. Als durchsetzungsfähige Gewerkschaft schließt ver.di Tarifverträge und auf Grundlage des Urhebervertragsrechts Gemeinsame Vergütungsregeln mit den Arbeitgebern, deren Verbänden und Verwertern von Medienproduktionen ab. Zudem setzt sich ver.di für bessere soziale Sicherung von Medienschaffenden ein und gestaltet die medienpolitischen Rahmenbedingungen im gesellschaftlichen und parlamentarischen Raum mit.

Kontakt ver.di:

Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di), Bundesvorstand
Pressestelle
Paula-Thiede-Ufer 10, 10179 Berlin
Tel.: (030) 6956-1011/1012
pressestelle@verdi.de
https://filmunion.verdi.de

Über den Bundesverband Schauspiel e.V. (BFFS):

BFFS steht für Bühne, Film, Fernsehen, Sprache. Gegründet 2006 ist der BFFS als Verband und Gewerkschaft mit seinen über 3.500 Schauspieler*innen inzwischen die größte nationale Schauspielorganisation und mitgliederstärkste Berufsvertretung der deutschen Film-, Fernseh- und Theaterlandschaft. Der BFFS vertritt die berufsständischen sowie die gewerkschaftlichen Interessen der Schauspieler*innen in Deutschland. Er will die kulturellen, gesellschaftlichen, politischen, rechtlichen, tariflichen und sozialen Rahmenbedingungen verbessern bzw. schaffen, die sowohl den einzigartigen Schauspielberuf schützen, bewahren und fördern als auch die besondere Lebens- und Erwerbsituation der Künstler*innen berücksichtigen, die diesen Schauspielberuf ausüben.

Pressekontakt:

Bundesverband Schauspiel e.V. (BFFS)
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