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Setbesuch bei "Werk ohne Autor" (W.O.A)

Dreh am seidenen Faden

Setbesuch bei "Werk ohne Autor" (W.O.A)

Aufgrund zahlreicher Beschwerden von Filmschaffenden der Produktion "Werk ohne Autor" unter der Regie von Florian Henckel von Donnersmarck („Das Leben der Anderen“) machte sich die ver.di FilmUnion auf den Weg nach Dresden zu einem mehrtägigen Setbesuch. Denn die Arbeitsbedingungen bei WOA sind schon seit längerem ein heiß diskutiertes Thema bei Filmschaffenden in ganz Deutschland.

Und tatsächlich: Die von vielen Beteiligten berichteten Arbeitszeiten liegen häufig weit außerhalb dessen, was in Ausnahmefällen durch den Tarifvertrag für Film- und Fernsehschaffende (TV FFS) zulässig wäre. Allein die Anzahl der Tage, in denen die Arbeitszeit z.T. weit oberhalb von 13 Stunden lag, schließt eine Rechtfertigung durch die Ausnahmeregelung des TV FFS  (Ziffer 5.2.5.3.) aus!

Da in einigen Abteilungen außerhalb des Sets, wie die Filmschaffenden berichtet haben, die 13. Stunde (und mehr) eher die Regel als die Ausnahme darstellten, dürfte auch die Vorgabe, an max. 60 % der Drehtage überhaupt über die 12. Stunde hinaus arbeiten zu dürfen, schwer einzuhalten sein. Im Detail lässt sich das natürlich erst am Ende des Drehs feststellen. In manchen Abteilungen dürften die 60 % aber bereits sehr bald "aufgebraucht" sein.

Die Ursachen für diese Situation sind wohl wie immer vielschichtig, dennoch zeichnen sich zwei hauptsächliche Ursachen ab: Ausgelöst durch das gesundheitsbedingte Ausscheiden zweier sehr wichtiger Positionen gleich zu Beginn der Drehzeit wurden ein Vakuum hinterlassen, das für die nachrückenden Kollegen in den ersten Wochen kaum auszufüllen war. Dass es dabei auch mal drunter und drüber ging, ist verständlich und nachvollziehbar. Die Teammitglieder haben dies solidarisch unterstützt.

Eine weitere gewichtige Ursache scheint allerdings in den Ansprüchen der Regie zu liegen, die sich mit den vorab kalkulierten Drehzeiten leider nicht immer in Einklang bringen ließen. In solch einem Fall ist es aus Sicht der ver.di FilmUnion absolut unerlässlich, dass bei einer deutlichen Reduzierung der Drehtage auch eine inhaltliche Reduzierung in gleichem Umfang stattfinden muss. Aus Sicht vieler Beteiligter ist aber wohl genau dies nicht passiert, was dazu führte, dass versucht wurde, mit überlangen Arbeitstagen ein bestmögliches Ergebnis zu erzielen.

Die Tatsache, dass Regisseur von Donnersmarck auch gleichzeitig beteiligter Produzent ist, macht die Situation sehr viel schwieriger, unbedingt notwendige arbeitsrechtliche Entscheidungen auch gegenüber der Regie durchzusetzen. Wenn die anderen Produzenten am Set anwesend sind und die Regie wegen überlanger Arbeitszeiten eindeutig zum Abbruch des Drehs auffordern, der Dreh aber dennoch zwei Stunden weitergeht, spricht dies eine deutliche Sprache.

Wir bitten alle Verantwortlichen an dieser Stelle eindringlich, die hohen Ansprüche den tatsächlichen Möglichkeiten anzupassen, und diese nicht um jeden Preis auf Kosten des Teams zu erzwingen: Es sollten nicht noch mehr Filmschaffende aus gesundheitlichen Gründen aus dem Projekt ausscheiden müssen, als dies bisher schon der Fall war.

Die Produktion von Wiedemann & Berg suchte von Anfang ein einen offenen, konstruktiven Dialog mit uns, für den wir ausdrücklich danken. Dies ist auch die Wahrnehmung vieler Filmschaffender: Die Produzenten, Produktionsleiter und Herstellungsleiter von Wiedemann & Berg, hätten sich mit großem Engagement um die Verkürzung der Arbeitszeiten bemüht.

Auch sie scheinen überzeugt, dass diese Produktion so wie bisher nicht weitergehen kann und darf!

Aus Sicht der ver.di FilmUnion müssen ab sofort die Bestimmungen des Tarifvertrags TV FFS eingehalten werden. Bei weiteren Verstößen gegen die zulässigen Arbeitszeiten des TV FFS sehen wir uns daher gezwungen, auch die zuständigen Behörden einzuschalten.

Ausdrücklich streben wir aber eine konstruktive Lösung mit der W.O.A. Film GmbH an und sind zuversichtlich, diese auch zu erreichen.

Wer uns bei unserem Engagement für bessere Arbeitsbedingungen unterstützen will, macht das am  einfachsten durch einen Eintritt in die ver.di FilmUnion! Juristische Beratung sowie Rechtschutz können und dürfen wir nur unseren Mitgliedern bieten.

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Und übrigens...

Dokumentation der Arbeitszeit

Wir als ver.di FilmUnion raten allen Filmschaffenden zur lückenlosen Dokumentation der tatsächlich geleisteten Arbeitszeit, auch bei Pauschalverträgen. Lasst euch hier nicht unter Druck setzen, eure Arbeitsberichte nachträglich  so lange zu bearbeiten, bis sie legal werden. Ihr seid in der Regel nicht verantwortlich für die Arbeitszeit und es gibt keinen Grund auch noch Urkundenfälschung zu begehen. Ein einmal von euch unterzeichneter (unzutreffender) Bericht lässt sich kaum noch revidieren.
Nach neuerer Rechtsprechung reicht es aus, die Arbeitszeiten wöchentlich, am besten per Mail an zwei Empfänger, an die Produktion zu senden. Damit erhält diese Kenntnis eurer Arbeitszeiten. Wird nicht umgehend auf eine Unterlassung der Überstunden hingewirkt, so gelten diese als stillschweigend akzeptiert. Ihr seid also nicht mehr ausschließlich davon abhängig, dass eure Arbeitszeiten auch von der Produktion unterschrieben werden. Auch kann sich die Produktion nicht mehr darauf berufen, vom Umfang eurer  Arbeit keine Kenntnis gehabt zu haben.

Zustimmung über 13 Stunden

Jeder betroffene Filmschaffende ist VOR Anbruch der 14. Stunde (sofern überhaupt zulässig) nach seiner Zustimmung zu fragen, was anscheinend bisher manchmal vergessen wurde. Das heißt natürlich auch, dass ihr jedes Mal nein sagen könnt, ohne dass euch daraus Nachteile entstehen dürfen. Falls dies doch geschehen sollte, bitten wir um umgehende Information unter mail@connexx-av.de

Pauschale Vergütung

Eine pauschale Abgeltung „aller geleisteter Überstunden“ ist arbeitsrechtlich nicht zulässig, selbst wenn ihr sie unterschrieben habt. Wenn also wie in dieser Produktion enorme, unverhätnismäßige Überstunden anfallen, habt ihr Anrecht auf eine zusätzliche Vergütung. Am besten ist hier, innerhalb der Produktion eine einvernehmliche Lösung zu vereinbaren. Bei auftretenden Meinungsverschiedenheiten helfen wir unseren Mitgliedern natürlich gerne weiter.

 

 

Set von "Werk ohne Autor" in Dresden
Foto/Grafik: Ingo Weerts

 

 

Set von Werk ohne Autor von Florian Henckel von Donnersmarck in Dresde
Foto/Grafik: Ingo Weerts

 

 

Am Set von Werk ohne Autor von Florian Henckel von Donnersmarck in Dresden
Foto/Grafik: Ingo Weerts