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Ungehorsame ver.di-Jury teilte den Preis

DOK Leipzig

Ungehorsame ver.di-Jury teilte den Preis

Von Gundula Lasch

Die 59. Ausgabe des Internationalen Leipziger Festivals für Dokumentar- und Animationsfilm DOK war geprägt von Stabilität und gleichzeitiger Weiterentwicklung. Die Besucherzahl von 48.000 blieb wie im Vorjahr, obwohl es weniger Vorführungen gab. Erstmals kürte eine interreligiöse Jury ihren Preisträgerfilm. Dabei hatte sie so viele von Frauen gemachte Filme zur Auswahl wie noch nie. Und Sprachbarrieren gab es mit einer neuen App fast keine mehr. Der „ver.di-Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness“ ging an den deutschen Regisseur Jakob Schmidt und an die deutsch-kurdische Regisseurin Ayse Polat.

Am 5. November wurden bei der Preisverleihung insgesamt 21 Auszeichnungen in einem Gesamtwert von 77.000 Euro vergeben. Davon nahm der junge deutsche Regisseur Jakob Schmidt allein vier Preise für seinen Film „Zwischen den Stühlen“ entgegen.

Die in diesem Jahr neu zusammengesetzte ver.di-Jury bewies ihr exzellentes Gespür, denn sie hatte Schmidts meisterhafte Beobachtung von drei jungen Referendaren auf ihrem steinigen Weg ins Lehramt vor allen anderen Jurys ausgezeichnet. Doch sie wollte den Blick auch auf einen aktuellen Brennpunkt lenken und entschied sich getreu dem Festival-Motto „Ungehorsam“, den mit 2.500 Euro dotierten „ver.di-Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness“ zu gleichen Teilen auch an die deutsch-kurdische Regisseurin Ayse Polat und ihren Film „The Others“ („Ötekiler”) zu vergeben. Die deutsch-türkische Koproduktion thematisiert auf sachliche, authentische Weise den Völkermord an den Armeniern.

DOK Leipzig 2016: Die ver.di-Jury: Ludwig Sporrer, Nancy Brandt, Tobias Baumann, Cornelia Hudl und Jan-Markus Holz (v.r.n.l.) Stefan Giessner DOK Leipzig 2016: Die ver.di-Jury: Ludwig Sporrer, Nancy Brandt, Tobias Baumann, Cornelia Hudl und Jan-Markus Holz (v.r.n.l.)

Jurybegründung: „ver.di-Preis für Menschlichkeit, Solidarität und Fairness“

Wir haben uns dazu entschieden, den „ver.di-Preis für Menschlichkeit, Solidarität und Fairness“ gerecht zu teilen. Der Preis geht ex aequo an „Zwischen den Stühlen“ von Jakob Schmidt und „The Others“ von Ayşe Polat.

Wir haben uns für „Zwischen den Stühlen“ entschieden, weil diese Langzeitbeobachtung einfühlsam, humorvoll und direkt von der Situation in den Schulen erzählt. Bildung ist die dringendste Aufgabe in unserer immer komplexer werdenden Gesellschaft und nur faire Chancen sind die Basis für die heranwachsende, junge Generation.

Ayşe Polats Film „The Others“ ist erschreckend aktuell. Ihr gelingt es, mit einfachen Mitteln eine universelle Geschichte über Ausgrenzung und die Notwendigkeit von Vergangenheitsbewältigung zu erzählen. Ein zukünftiges, friedliches Zusammenleben findet hier sein Fundament.

Beim Screening des ver.di-Preisträgerfilms „Zwischen den Stühlen“ am letzten Festivaltag war der Kinosaal bis auf den letzten Platz gefüllt; das Publikum feierte die bitter-komische Story aus dem deutschen Schulbetrieb.

Jakob Schmidts Film soll ebenso wie Ayse Polats „The Others“ möglichst vielen ver.di-Mitgliedern zugänglich gemacht werden. Die Termine von Vorführungen in verschiedenen Städten (u.a. Kassel, München und Berlin) werden rechtzeitig bekannt gegeben.

Die 60. Ausgabe des ältesten Dokumentarfilmfestivals der Welt findet vom 30. Oktober bis zum 5. November 2017 statt. Dafür werden unter den ver.di-Mitgliedern neue „DOK-aholics“ gesucht, die die verantwortungsvolle Juryarbeit übernehmen. Eine entsprechende Ausschreibung wird es im Sommer 2017 geben.

Zum vollständigen Bericht von Gundula Lasch über die 59. Ausgabe des Internationalen Leipziger Festivals für Dokumentar- und Animationsfilm DOK auf M Online