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Tatorte Köln, Kiel, Hamburg, München

ver.di FilmUnion

Tatorte Köln, Kiel, Hamburg, München

Die ver.di FilmUnion ermittelt...

Sommerzeit, Drehzeit. Immer zur Drehsaison geht die ver.di FilmUnion auf Besuch, auf Setbesuch nämlich. Heuer waren es Drehorte in Köln, Hamburg und München, die von Vertretern der ver.di Film Union zur Verbreitung von Informationen unter den Filmschaffenden genutzt wurden. Der Empfang der Verdianer war offen bis herzlich. Hier ist ihr Bericht:

Tatort Köln:
Regelmäßig im Sommer bauen die Filmschaffenden ihre Sets auf dem Friesenplatz im Herzen Kölns auf, so auch dieses Jahr. Ende Juni nahm ein Kollege der ver.di Film Union die Arbeit an einer neuen Folge SOKO Köln zum Anlass, mit den Kreativen über ihre Arbeitsbedingungen zu sprechen. Über alle Gewerke hinweg gab es überraschend mehrheitlich zufriedene Rückmeldungen hierüber. Dies sei eine löbliche Ausnahme in Zeiten sich verschärfender Bedingungen und härteren Wettbewerbs, wie sagte der Verdianer.

Auch die abendlich Infoveranstaltung zum Tarifvertrag Film- und Fernsehschaffende (TV FFS) der ver.di Film Union, stieß in der Kölner Filmszene auf gutes Interesse. In einer angenehmen Runde im Kölner Filmhaus referierte und diskutierte der Film- und Tarifexperte Bernhard Speck vor und mit den Medienmachern. Ob Anfahrtswege zum Set, Ansprüche auf Ruhezeiten oder Fragen zur Vergütung – viele Erfahrungen wurden getauscht und auch so mancher Mythos aus dem Weg geräumt.

Das war: Know How: Tarifvertrag Film- und Fernsehschaffende – Für wen, für was und wie?

Tatort Kiel:
"Mensch, das ist ja klasse, ihr seid wieder am Set“. Beim Setbesuch der ver.di FilmUnion mit drei Vorstandsmitgliedern bei der hiesigen „Tatort“-Produktion gab es nur Wenige, die wirklich über den Gewerkschaftsbesuch überrascht waren. Es ging um die Abfrage der wichtigsten Tarifthemen für die anstehenden Verhandlungen Ende 2013 und die Bereitschaft der Filmschaffenden, sich auch an Aktionen zur Durchsetzung der Tarifziele zu beteiligen. Dazu haben über 25 Kolleginnen und Kollegen die Postkarten vor Ort ausgefüllt und über ihre Erfahrungen der Arbeitsbedingungen berichtet. Erfreulicherweise waren diese Berichte auch in Hamburg überwiegend positiv.

So erhalten mittlerweile nicht mehr nur die Gewerke Kamera und Licht problemlos ihre Zeitkontenmodelle, sondern auch Gewerke wie Regie, Requisite und Garderobe. Das war nicht immer so und macht sich für die betreffenden Filmschaffenden auch gleich bezahlt. Denn: die Arbeitszeiten gestalten sich nach einhelliger Meinung als „suboptimal“, aber es wird ordentlich mit Zeitkonto abgerechnet und so fühlen sich alle, mit kleinen Ausnahmen, gerecht behandelt und bezahlt. Selbst die Nachtzuschläge werden gemäß Tarifvertrag anstandslos bezahlt, was leider bei vielen Produktionen nicht mehr der Fall ist.

Allzu häufig wird der Tarifvertrag dort nicht eingehalten, mit dem Hinweis der Verrechnung übertariflicher Gage, erzählten die Filmschaffenden, ohne die Produktionen zu nennen. Dass das falsch ist, erfahren die Filmschaffenden durch die ver.di FilmUnion. Denn eine Verrechnung der übertariflichen Gage ist nur mit Mehrarbeitszuschlägen möglich. Nachtzuschläge sind gesondert steuer- und sozialversicherungsfrei abzurechnen und auszuzahlen. Dennoch fiel das Fazit positiv aus: Tatort Kiel geht in Ordnung, viele Tarif-Postkarten wurden ausgefüllt und der Tarifvertrag umgesetzt. „…kommt bald wieder, das bringt immer richtig was!“, verabschiedeten sich die Filmschaffenden. Klar: Sich organisieren bringt immer was. Sollte es doch bei einigen Themen nicht gut laufen, meldet euch. Wir werden das aufgreifen und ändern – garantiert!

Tatort Hamburg:
„Ja super, kein Problem, hier könnt ihr euch hinstellen mit eurem Stand, und beim Caterer in der Halle könnt ihr euch einen Kaffee holen“. Mit dieser Begrüßung der ver.di-Kollegen am Set von Bella Block begann der zweite Setbesuch der ver.di FilmUnion Anfang Juli in einer alter Fabrikhalle am Billbrookdeich in Hamburg. Zahlreiche Gespräche führten wir in der Pause und die Kollegen am Set waren froh, dass wir mal wieder vor Ort waren. „Jede Woche könnt ihr das einmal machen, das bewirkt schon was. Und bei Aktionen wären wir dabei“, so ein Kollege. Insgesamt war die Stimmung sehr gut und die Postkarten zur Abfrage der Tarifthemen wurden mit viel Interesse ausgefüllt. Das kam richtig gut an mit dem Setbesuch, und obendrein gab es Eis für alle, das die Kollegen der FilmUnion mitgebracht hatten.
Fazit: Tarifvertrag ist hier gut umgesetzt bis auf die Nachtzuschläge. Da werden wir dran arbeiten – garantiert!

Die Abfrage zu den Tarifthemen findet ihr übrigens auch hier:
http://www.connexx-av.de/umfrage_filmschaffende.php

Tatort München:
Die ver.di FilmUnion gibt auch nach der spektakulären Aktion am Münchner Stachus nicht Ruhe (s. erste die Meldung in diesem NL). Bereits am 1. Juli, drei Tage nach dem brennenden Mann, tauchten Kolleginnen und Kollegen der ver.di Film Union auf dem Gelände der Bavaria Filmstudios auf. Am Set von „Sturm der Liebe“ warben sie für das Aktionsbündnis „ES BRENNT!“ und die Beteiligung an der kommenden Tarifauseinandersetzung. Das gleiche Infomaterial kam am darauffolgenden Tag am Set von „Zwei allein“ unter die Filmschaffenden. Die Krimi-Produktion für das ZDF gastierte an diesem Dienstag in der Gemeinde Haar vor den Toren Münchens.

Während der Großteil der Beteiligten die Anwesenheit der GewerkschafterInnen wohlwollend aufnahm und großes Interesse an der Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen bekundete, gab es auch widerstreitende Meinungen. Von Seiten der Regie kam weitreichende Kritik an der Vereinbarung zur Erlösbeteiligung, die ver.di FilmUnion und BFFS mit der Produzentenallianz geschlossen hatten. Die vorgebrachten Argumente zeigten stellvertretend, wie tief vielerorts noch die Uneinigkeit zwischen den Gewerken ist – ein Missstand, der leider verhindert, dass die Interessen aller erfolgreich gewahrt werden. Getreu dem Motto „Alle Gewerke, eine Gewerkschaft“ steht die ver.di FilmUnion für den Dialog und den solidarischen Kampf um bessere Arbeitsbedingungen – vor wie hinter der Kamera.

Mitarbeit: Christoph Brandl